Mental Load Test: 12 Fragen für eine ehrliche Bestandsaufnahme

Christina Kubanke, Psychologin (M.Sc.) Von , Psychologin (M.Sc.) · Veröffentlicht am · 5 Min. Lesezeit

Illustration: Zwei Listen nebeneinander, unterschiedlich lang

Sonntagabend, die Kinder schlafen. Du gehst noch einmal die Woche durch: Turnbeutel am Dienstag, Geschenk für den Kindergeburtstag am Samstag, das Waschmittel ist fast leer, der Zahnarzttermin wollte telefonisch bestätigt werden. Neben dir sitzt jemand, der dieselbe Woche vor sich hat und entspannt wirkt.

Und wenn du das ansprichst, kommt ein Satz, der ehrlich gemeint ist und trotzdem nicht weiterhilft: „Sag mir doch einfach, was ich machen soll." Genau das ist der Punkt. Das Sagen ist die Arbeit.

Was misst ein Mental Load Test überhaupt?

Mental Load ist die gedankliche Seite der Familienarbeit. Nicht das Einkaufen, sondern das Wissen, was fehlt. Nicht das Packen, sondern das Daran-Denken. Diese Arbeit taucht in keiner Aufgabenteilung auf, weil sie keine Dauer hat und keinen Anfang. Sie läuft nebenher, den ganzen Tag.

Deshalb führen klassische Vergleiche schnell in die Irre. Wer Stunden gegeneinander aufrechnet, landet bei den sichtbaren Tätigkeiten und wundert sich, warum die Rechnung sich trotzdem falsch anfühlt. Ein Mental Load Test dreht die Frage um: nicht „Wer macht das?", sondern „Wer merkt, dass es gemacht werden muss?". Was Mental Load im Alltag genau bedeutet, steht ausführlich im Artikel über Mental Load und die unsichtbare Arbeit.

Was dabei herauskommt, ist ein Bild, keine Bewertung. Es sagt nichts darüber aus, ob jemand sich genug anstrengt. Es zeigt nur, wo das Mitdenken liegt.

Was die Forschung zeigt

Die Soziologin Allison Daminger hat 2019 untersucht, wie Paare Familienarbeit aufteilen, und dabei eine eigene Ebene beschrieben: die kognitive Dimension der Hausarbeit. Sie unterteilte sie in vier Schritte, nämlich bemerken, dass etwas ansteht, Möglichkeiten suchen, entscheiden und im Blick behalten, ob es geklappt hat.

Ihr aufschlussreichster Befund war die Verteilung innerhalb dieser Schritte. Das Entscheiden wurde in den befragten Paaren oft gemeinsam erlebt. Das Bemerken und das Im-Blick-Behalten lagen deutlich häufiger bei den Frauen. Also genau die beiden Teile, die nie aufhören und die niemand sieht.

Das erklärt auch, warum das Angebot „Sag mir Bescheid" den Abstand nicht verkleinert. Es übernimmt den Ausführungsteil und lässt die beiden anstrengenden Teile dort, wo sie waren. Und es erklärt, warum die Belastung sich nicht wie Arbeit anfühlt, sondern wie ein Hintergrundgeräusch, das nie ausgeht.

Die 12 Fragen: Wer denkt daran, dass ...

Geht die Liste getrennt durch. Jede und jeder schreibt zu jeder Frage einen Namen hin, ehrlich und ohne Rücksicht darauf, wie es aussieht. Wenn beide daran denken, schreibt beide Namen. Wenn niemand daran denkt, lasst es leer.

  1. ... Kleidung und Schuhe der Kinder zu klein werden und ersetzt werden müssen?
  2. ... Vorräte im Haushalt ausgehen, bevor sie ganz leer sind?
  3. ... ein Geschenk für den nächsten Kindergeburtstag besorgt werden muss?
  4. ... Vorsorgetermine anstehen und gebucht werden müssen?
  5. ... der Sportbeutel, das Instrument oder das Buch am richtigen Tag mitmuss?
  6. ... Fristen für Anträge, Versicherungen oder Unterlagen ablaufen?
  7. ... die Kita oder Schule an Brückentagen zu ist und Betreuung fehlt?
  8. ... Geburtstage in der Familie und im Freundeskreis anstehen?
  9. ... die Wohnung Dinge braucht, die niemand bestellt hat, etwa Glühbirnen oder Batterien?
  10. ... Essen für die nächsten Tage da ist, auch wenn niemand einkaufen war?
  11. ... ein Kind gerade etwas beschäftigt und jemand nachfragen sollte?
  12. ... Kontakt zu Freundinnen, Freunden und Verwandten nicht einschläft?

Es gibt hier keine Punkte und keine Auswertung. Eine grobe Einordnung genügt: Wenn ein Name bei mehr als acht Fragen steht, liegt das Mitdenken sehr einseitig. Wenn er bei fünf bis acht Fragen steht, gibt es eine Schieflage mit Ausnahmen. Liegt es ungefähr gleich, ist das schon selten genug.

Der Küchentisch-Check: Anleitung in vier Schritten

Die Liste allein verändert nichts. Entscheidend ist, was ihr danach damit macht. Plant dafür etwa vierzig Minuten ein, an einem Tag, an dem nichts brennt.

1. Getrennt ausfüllen, dann nebeneinanderlegen

Erst jede und jeder für sich, ohne Absprache. Dann legt ihr beide Listen nebeneinander. Interessant sind nicht die Punkte, bei denen ihr übereinstimmt, sondern die, bei denen ihr unterschiedliche Namen notiert habt. Genau dort sitzt die unsichtbare Arbeit.

2. Beschreiben statt bewerten

Sprecht die Unterschiede in einer festen Form durch: „Bei Punkt vier haben wir beide mich notiert. Für mich heißt das, ich habe drei Termine im Kopf, die noch nicht gebucht sind." Keine Schlussfolgerung, keine Bilanz. Nur beschreiben, was auf der Liste steht. Wie man dieses Gespräch führt, ohne dass es kippt, steht in Mental Load ansprechen, ohne zu streiten.

3. Zwei bis drei Bereiche vollständig übergeben

Sucht zwei oder drei Punkte aus und übergebt sie ganz, mit Bemerken, Entscheiden und Nachhalten. Nicht „du kaufst das Geschenk", sondern „Kindergeburtstage gehören dir, samt merken, aussuchen und einpacken". Vollständig heißt auch: Es darf anders gemacht werden als bisher. Solange niemand kontrolliert, ist die Übergabe echt.

4. Einen Termin für den nächsten Blick setzen

Legt fest, wann ihr euch die Liste wieder anschaut, etwa in acht Wochen. Das nimmt dem Gespräch den Druck, heute alles lösen zu müssen. Und es folgt dem, was E. J. Masicampo und Roy Baumeister 2011 zeigten: Ein offenes Thema drängt sich so lange auf, bis es einen konkreten Plan gibt, wann es wieder drankommt.

Was eher nicht hilft

Das Ergebnis als Beweis benutzen. Sobald die Liste als Beleg auf den Tisch kommt, wird sie widerlegt statt besprochen. Sie ist eine Momentaufnahme aus zwei Blickwinkeln, nicht mehr.

Eine zentrale Familienliste anlegen und dabei bleiben. Eine gemeinsame Liste macht Aufgaben sichtbar, aber meistens pflegt sie eine Person. Dann ist das Mitdenken nur besser dokumentiert, nicht besser verteilt.

Alles auf einmal umverteilen. Zwölf Punkte an einem Abend neu zu ordnen hält selten bis Mittwoch. Zwei Bereiche, die wirklich wechseln, verändern mehr als ein kompletter Plan.

Das Werkzeug zum Mitnehmen

Wenn nach dem Ausfüllen klar ist, wie viel bei dir liegt, ist das erst einmal mehr im Kopf statt weniger. Genau dafür gibt es Werkzeug Nr. 1 „Mental Overload": alles herausschreiben, sortieren, eine Sache wählen. Wenn dir das Ganze davor schon zu viel wird, ist Wenn alles zu viel ist der bessere Einstieg.

Lieber auf Papier? Alle sechs Werkzeuge stehen im Arbeitsbuch „Klar im Kopf".

Häufige Fragen

Ist ein Mental Load Test wissenschaftlich?

Nein. Es gibt kein geprüftes Verfahren, das Mental Load in einem Wert abbildet, und die Fragen hier sind keines. Sie stützen sich auf die Bereiche, die Allison Daminger 2019 beschrieben hat, dienen aber allein der Bestandsaufnahme im eigenen Haushalt.

Was mache ich, wenn mein Partner das Ergebnis nicht anerkennt?

Dann geh von der Bilanz weg und zu einem einzelnen Punkt. Statt über die ganze Liste zu diskutieren, nimm eine Zuständigkeit und beschreib, was daran im Kopf hängt. Konkrete Beispiele lassen sich schwerer abstreiten als eine Gesamtsumme.

Kann Mental Load auch ohne Kinder entstehen?

Ja. Die gedankliche Arbeit hängt am gemeinsamen Haushalt, an Terminen, an Beziehungen und an der Pflege von Angehörigen. Die Fragenliste lässt sich dafür anpassen, der Mechanismus bleibt derselbe.

Wie oft sollte man so eine Bestandsaufnahme machen?

Zwei bis drei Mal im Jahr reicht, oder immer dann, wenn sich etwas Größeres ändert: neuer Job, Umzug, Schulwechsel. Häufiger gemacht verliert die Liste ihre Wirkung und wird selbst zu einer Aufgabe, an die jemand denken muss.


Christina Kubanke, Psychologin (M.Sc.)Über die Autorin: Christina Kubanke ist Psychologin (M.Sc.) und hat Klarstern gegründet. Sie übersetzt erprobte Methoden aus der psychologischen Forschung in Werkzeuge, die man genau in dem Moment benutzen kann, in dem der Kopf voll ist.

Dieser Artikel dient der Selbsthilfe bei alltäglicher Belastung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.

Quellen

  • Daminger, A. (2019). The cognitive dimension of household labor. American Sociological Review, 84(4), 609-633.
  • Masicampo, E. J. & Baumeister, R. F. (2011). Consider it done! Plan making can eliminate the cognitive effects of unfulfilled goals. Journal of Personality and Social Psychology, 101(4), 667-683.

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