Dienstagmorgen, 8:40 Uhr. Du hast dir extra vorgenommen, entspannt zu bleiben. Dann öffnet sich das Postfach: 312 ungelesene Nachrichten, drei Dinge, die eigentlich letzte Woche fällig waren, und um zehn ein Termin, von dem du erst jetzt erfährst.
Um halb zwölf erinnerst du dich vage daran, dass du vor vier Tagen im Meer geschwommen bist. Es fühlt sich an wie ein Foto von jemand anderem.
Warum ist die Erholung so schnell weg?
Weil sie das meistens tut. Jessica de Bloom und Kollegen fassten 2009 die Forschung zu Urlaub zusammen: Erholungseffekte sind während des Urlaubs gut nachweisbar, verschwinden nach der Rückkehr aber in der Regel schnell. Das ist kein Zeichen dafür, dass du den Urlaub falsch gemacht hast. Es ist der übliche Verlauf.
Der Grund liegt weniger im Urlaub als in dem, was auf ihn folgt. Die Bedingungen, die dich vorher erschöpft haben, sind am ersten Arbeitstag unverändert da, nur mit zwei Wochen Rückstand obendrauf. Wenn die erste Woche verdichteter ist als eine normale, ist der Vorsprung schnell aufgebraucht.
Dazu kommt der Kontrast. Im Urlaub bestimmst du selbst über deine Zeit. Sabine Sonnentag und Charlotte Fritz beschrieben 2007 diese Selbstbestimmung als einen von vier Bestandteilen von Erholung, neben Abschalten, Entspannung und angenehmer Herausforderung. Am ersten Arbeitstag fällt vor allem dieser Teil schlagartig weg und genau das macht den Übergang so spürbar.
Warum fühlt sich der Berg größer an, als er ist?
Solange die offenen Punkte nur im Kopf sind, arbeiten sie dort weiter. E. J. Masicampo und Roy Baumeister zeigten 2011, dass unerledigte Vorhaben sich aufdrängen, bis es einen konkreten Plan gibt. Nicht bis sie erledigt sind, sondern bis geklärt ist, wann und wie sie angegangen werden.
Genau das passiert am ersten Arbeitstag nicht. Du siehst 312 Mails und weißt nicht, was darin steckt. Der Kopf hält deshalb alle 312 gleichzeitig für dringend. Das Gefühl von Überforderung entsteht nicht durch die Menge, sondern durch die Unklarheit über die Menge. Mehr dazu in Überforderung im Job.
Der Rückkehr-Plan in fünf Schritten
Plan dafür die erste Stunde des ersten Arbeitstags ein. Nicht mehr, aber diese Stunde wirklich.
1. Alles raus, bevor du anfängst
Nimm ein Blatt oder ein leeres Dokument und schreib ungeordnet alles auf, was dir im Kopf herumliegt: Aufgaben, Termine, halbe Gedanken, das Private mit dazu. Nicht sortieren, nicht bewerten. Erst wenn es außerhalb des Kopfes steht, lässt es sich ansehen.
2. Das Postfach einmal sichten, ohne zu antworten
Geh durch die Nachrichten und schreib nur mit, was tatsächlich eine Handlung von dir verlangt. Erfahrungsgemäß bleiben von einem vollen Postfach erstaunlich wenige echte Punkte übrig. Antworten kommt später, sonst bist du um elf noch in Mail eins von 312.
3. In vier Stapel sortieren
Geh deine Liste durch und markiere jeden Punkt: heute, diese Woche, später oder gar nicht. Der letzte Stapel ist der wichtigste und der, den die meisten auslassen. Nach dem Urlaub hat sich manches von selbst erledigt.
4. Eine Sache wählen
Wähl aus dem Stapel „heute" genau eine Sache und fang damit an. Nicht die größte, sondern die, nach der der Rest leichter wird. Der erste Arbeitstag ist gewonnen, wenn eine Sache wirklich fertig ist, nicht wenn zwanzig angefangen sind.
5. Den Tag abschließen wie geplant
Setz dir für den ersten Tag ein Ende und halte es. Schreib abends auf, was offen bleibt und was morgen der erste Schritt ist. Sonst nimmst du den Rückstand mit nach Hause und die Erholung ist an einem einzigen Abend aufgebraucht.
Was du schon vor dem Urlaub entscheiden kannst
Der erste Arbeitstag beginnt am letzten Tag davor. Zwei Dinge machen den größten Unterschied.
Erstens: Lass den ersten Tag nach der Rückkehr so weit wie möglich terminfrei. Wer am Rückkehrtag eine volle Agenda vorfindet, hat keine Gelegenheit zu sortieren und startet direkt im Rückstand.
Zweitens: Komm nicht am Sonntagabend zurück. Ein freier Tag zwischen Reise und Arbeit ist kein verlorener Urlaubstag, sondern der Puffer, der über den Übergang trägt. Was sich sonst am Sonntagabend zusammenbraut, steht in Sonntagabend-Blues.
Und drittens, weniger offensichtlich: Nimm eine einzige Gewohnheit aus dem Urlaub mit. Der Spaziergang nach dem Essen, das Buch statt des Handys, das späte Frühstück am Samstag. Ein Urlaub ist ein einmaliges Ereignis, eine Gewohnheit wiederholt sich. Warum das mehr trägt als die Erinnerung an zwei schöne Wochen, steht in Urlaub und Erholung.
Das Werkzeug zum Mitnehmen
Die Schritte eins, drei und vier sind genau der Ablauf von Werkzeug Nr. 1 „Mental Overload": alles aus dem Kopf holen, sortieren, eine Sache wählen. In Klarstern dauert das ein paar Minuten und ersetzt am Rückkehrtag das diffuse Gefühl, dass alles gleichzeitig dringend ist.
Lieber auf Papier? Alle sechs Werkzeuge stehen im Arbeitsbuch „Klar im Kopf".

Über die Autorin: Christina Kubanke ist Psychologin (M.Sc.) und hat Klarstern gegründet. Sie übersetzt erprobte Methoden aus der psychologischen Forschung in Werkzeuge, die man genau in dem Moment benutzen kann, in dem der Kopf voll ist.