Am 10. Oktober ist Welttag der psychischen Gesundheit. Ein guter Anlass für eine Frage, die sich viele stellen und selten laut aussprechen: Ist das noch normal, oder brauche ich Hilfe?
Ich schreibe in diesem Magazin über Werkzeuge für die alltäglichen Momente, in denen es zu viel wird. Dazu gehört auch, ehrlich zu sagen, wo diese Werkzeuge an ihre Grenze kommen.
Was Selbsthilfe gut kann
Viele Belastungen gehören zum Leben. Ein voller Kopf vor einer Frist. Grübeln nach einem schwierigen Gespräch. Unruhe in einer Umbruchphase. Ein Abend, an dem nichts mehr geht. Solche Momente sind unangenehm, aber sie sind keine Krankheit.
Hier kann Selbsthilfe viel bewirken: Gedanken aufschreiben und sortieren, Gefühle benennen, eine Aufgabe klein machen, eine Sorge parken, sich eine Pause erlauben. Diese Methoden sind gut untersucht und helfen vielen Menschen, schneller wieder Boden unter die Füße zu bekommen.
Ein gutes Zeichen, dass Selbsthilfe passt: Es bewegt sich etwas. Nach einem Werkzeug, einem guten Gespräch oder einer Nacht Schlaf ist es spürbar leichter.
Woran du erkennst, dass mehr Unterstützung sinnvoll ist
Die folgenden Punkte sind keine Diagnose. Sie sind Hinweise, dass es sich lohnt, mit einer Fachperson zu sprechen.
Es hält an. Die Belastung ist nicht nach ein paar Tagen wieder weg, sondern begleitet dich seit zwei Wochen oder länger fast täglich.
Der Alltag leidet deutlich. Du schaffst Arbeit, Haushalt oder Kontakte kaum noch. Dinge, die früher gingen, gehen nicht mehr.
Die Freude fehlt. Dinge, die dir sonst guttun, fühlen sich leer an. Du ziehst dich zurück.
Der Körper macht nicht mehr mit. Du schläfst über längere Zeit sehr schlecht oder sehr viel, isst deutlich mehr oder weniger als sonst oder bist ständig erschöpft.
Die Angst wird groß. Du hast Panikattacken, vermeidest immer mehr Situationen oder die Sorgen lassen dich kaum noch los.
Du brauchst etwas, um durchzuhalten. Alkohol, Medikamente oder andere Mittel werden zur Regel, um abzuschalten oder zu funktionieren.
Selbsthilfe bewegt nichts mehr. Du hast Verschiedenes probiert und es wird nicht leichter, sondern schwerer.
Und ganz klar: Wenn du Gedanken hast, nicht mehr leben zu wollen, hol dir sofort Hilfe. Die Nummern stehen weiter unten.
Wie du in Deutschland Unterstützung bekommst
Viele wissen nicht, wie der Weg aussieht, und schieben ihn deshalb auf. Er ist einfacher, als man denkt.
Die Hausarztpraxis
Eine gute erste Anlaufstelle. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann körperliche Ursachen ausschließen, dich beraten und an passende Stellen weiterleiten.
Die psychotherapeutische Sprechstunde
Du kannst mit deiner Versichertenkarte direkt zu einer psychotherapeutischen Praxis gehen, ohne Überweisung. In der Sprechstunde wird geklärt, was du brauchst und welche Behandlung sinnvoll ist.
Die Terminservicestelle 116117
Wenn du selbst keinen Termin findest, ruf die 116117 an oder nutze eterminservice.de. Die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung vermittelt Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde. Laut 116117 muss sie dir innerhalb einer Woche einen Termin nennen, der innerhalb von vier Wochen stattfindet.
Akutbehandlung
Wenn es dir sehr schlecht geht, kann nach der Sprechstunde eine psychotherapeutische Akutbehandlung beginnen. Dafür ist kein Antrag bei der Krankenkasse nötig.
Weitere Anlaufstellen
Beratungsstellen von Caritas, Diakonie oder anderen Trägern bieten oft kostenlose Gespräche an. Viele Arbeitgeber haben zudem eine vertrauliche Mitarbeiterberatung. Frag ruhig nach.
Beides schließt sich nicht aus
Selbsthilfe und professionelle Unterstützung sind kein Entweder-oder. Viele Menschen nutzen Werkzeuge wie die in diesem Magazin auch während einer Therapie oder während sie auf einen Termin warten. Wichtig ist nur, dass du dich nicht mit etwas allein lässt, das mehr braucht als einen Zettel und einen Stift.
Die Werkzeuge von Klarstern sind für die alltäglichen, normalen, menschlichen Momente gemacht, in denen einem das Leben kurz zu viel wird. Sie ersetzen keine Behandlung. Mehr darüber, wofür sie gedacht sind, steht auf der Seite Über Christina.
Wenn es gerade sehr schwer ist
Du musst das nicht allein tragen.
- TelefonSeelsorge, kostenlos und rund um die Uhr: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
- Im Notfall: 112
Quellen
- Kassenärztliche Bundesvereinigung, 116117: Psychotherapie. https://www.116117.de/de/psychotherapie.php
- Bundesministerium für Gesundheit: Psychotherapeutische Sprechstunde. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/psychotherapeutische-sprechstunde
- TelefonSeelsorge Deutschland. https://www.telefonseelsorge.de
